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Grundsätze einer Beratung (am Telefon)

Ein Gespräch mit Opfern oder Dritten, die (sexuellen) Missbrauch miterlebt haben, ist alles andere als einfach. Die Person am Telefon muss nicht nur Vertrauen aufbauen, sodass die Anrufenden erzählen was ihnen oder anderen wiederfahren ist. Sie müssen sich dabei auch ihrer Verantwortung bewusst sein, denn sie agieren in einem hochsensiblen Bereich. Genau deswegen gibt es bei einer Beratung am Telefon Grundsätze. Diese sollten nicht, sondern müssen unbedingt und zu jeder Zeit eingehalten werden. Sie sind also ein zentraler Bestandteil der Beratung bei Jadati.

Besonders thematisiert wurden die allgemeinen Grundsätze, das konkrete Handeln beim ersten Anruf eines Betroffenen sowie die interkulturelle Beratung.

Die allgemeinen Grundsätze klingen vielleicht erst einmal banal, sind es jedoch nicht. Damit die Helfenden sie zu jeder Zeit einhalten, müssen sie sich diese immer wieder vor Augen führen. Solange bis sie verinnerlicht wurden. Doch was sind die allgemeinen Grundsätze?

  • Alle Gespräche unterliegen einer strengen Schweigepflicht;
  • Die Anrufenden sind immer anonym, das heißt sie müssen keine Namen und Adressen nennen. Ihre Nummer sind stets unterdrückt bzw. werden nicht gespeichert;
  • Anrufe sind für Betroffene kostenfrei;
  • Die Offenheit für alle Probleme ist essentiell;

Daraus lassen sich für die Helfenden am Telefon verschiedene und ganz konkrete Handlungsrichtlinien ableiten. Bei diesen muss der Beratende sich immer eines vergegenwärtigen: Es kostet eine enorme Überwindung zum Telefon zu greifen und seine Sorgen zu teilen. Doch was sind die Handlungsrichtlinien?

  • Jeder Fall bekommt die gleiche Aufmerksamkeit, auch wenn die Helfenden sich nicht sicher sind, ob sie dafür zuständig sind;
  • Der Anrufende bestimmt selbst, was er an Informationen preisgibt und den Beratenden anvertraut;
  • Egal wie abstrus es vielleicht am Anfang klingen mag: Es muss immer zugehört werden und die Situation und die Fragen müssen immer ernst genommen werden;
  • Der Umgang muss zu jederzeit respektvoll sein;
  • Am Telefon müssen die Helfer zuhören und Anteil nehmen. Das müssen sie den Anrufenden vermitteln;
  • Die Beratung muss mit einer einfühlenden Distanz Es müssen Grenzen gezogen werden, das heißt sie dürfen sich niemals in eine Krisensituation hineinziehen lassen;
  • Es dürfen keine „billigen Ratschläge“ oder Versprechungen gemacht werden. Vielmehr geht es um Unterstützung und Stärkung;
  • Es muss gemeinsam nach Lösungen gesucht werden;
  • Die Helfenden dürfen nie vergessen, dass das Telefonat für das Gegenüber eine Entlastung ist;
  • Gehörtes verschriftlichen und Fragen und Probleme sortieren;
  • Nur Angebote machen oder auf weitere lokale Hilfsangebote verweisen;

Genauso wichtig wie diese Handlungsrichtlinien und die allgemeinen Grundsätze ist der interkulturelle Aspekt der Beratung oder anders ausgedrückt: Die interkulturelle Beratung an sich. Genau diese will Jadati leisten.

Denn die Opfer bzw. Betroffenen benötigen Angebote, die es ihnen ermöglichen in ihrer eigenen Sprache über ihre Notlagen zu sprechen. Außerdem müssen die Zuhörenden stets die Identität der Anrufenden (an-)erkennen und ihr Streben nach Freiheit von dieser Notlage und nach Empathie unterstützen. Genau aus diesen Gründen ist der interkulturelle Beratungsansatz entscheidend für den Zugang zu den Betroffenen und Opfern sowie für den Erfolg der Beratung an sich.

Ein Beispiel für die Tatsache, dass der interkulturelle Aspekt der Beratung entscheidend ist, stellen familiäre Gewalt und Zwangsheirat dar. Denn Frauen oder Mädchen mit Migrationshintergrund, die von häuslicher oder familiärer Gewalt betroffen sind, erleben oftmals eine Verharmlosung ihrer familiären Situation. Das heißt die kulturbedingten Zuschreibungen führen häufig zur Bagatellisierung der erlebten oder miterlebten Gewalt. Somit erfordern gerade familiäre Gewalt oder Zwangsheirat eine sensible, interkulturelle Beratung.

Doch nicht nur bei solchen Fällen ist die interkulturelle Beratung entscheidend. Sie ist immer ein essentieller Teil, denn ohne die Interkulturalität kann den Opfern nicht geholfen werden. Einfach aufgrund der Tatsache, dass sie aus einem anderen Kulturraum nach Deutschland gekommen sind und ihr Leben somit zu jeder Zeit interkulturell ist. Diesem Faktum müssen sich die Zuhörenden stets bewusst sein. Genau wie der allgemeinen Grundsätze und der Handlungsrichtlinien. Nur wenn alles berücksichtigt wird, kann den Betroffenen wirklich geholfen werden.

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