Hier kannst du Not und Unrecht melden
Tel. +49 (0)203 31 74 38 17

Beispiele aus der Praxis oder: Warum Jadati gebraucht wird

Auch wenn die Fälle alles andere als angenehm zu lesen sind, müssen sie trotzdem geschildert werden. Denn nur wenn den Menschen bewusst gemacht wird, was die Opfer erleiden, wird ihnen auch bewusst, dass Projekte – wie beispielsweise Jadati – relevant sind und Menschen retten können. Genau deswegen werden wir nun zwei Fälle, die sich tatsächlich so ereignet haben, schildern. Im Teil II der Beispiele aus der Praxis, werden wir dann auf die konkreten Probleme eingehen, die die Teilnehmenden selbst zur Veranstaltung mitgebracht haben.

Fall 1 

Fall eins dreht sich um ein 16-jähriges Mädchen. Sie wurde von einem 67 Jahre alten Sicherheitsmitarbeiter verfolgt und belästigt.
Er versuchte wiederholt sie alleine anzutreffen, vornehmlich an abgelegenen Räumen wie dem Kellergeschoss. Bei solchen Gelegenheiten überreichte er ihr dann Geschenke und drängte sie dazu, eine Beziehung mit ihm einzugehen, da sich dies auch positiv auf ihren Aufenthaltsstatus auswirken könnte.     
Somit nutzte er nicht nur ihre jugendliche Naivität aus, sondern ebenso ihre Notsituation als Geflüchtete mit ungewissem Aufenthaltsstatus. In diesem Fall hatte die Bedrängte jedoch Glück im Unglück. Eine andere Bewohnerin dieser Unterkunft bemerkte das Geschehen und rief uns um Hilfe. Am nächsten Tag war der Helfer vor Ort und sprach sofort mit den Mitarbeitern der für die Betreuung der Unterkunft zuständigen Einrichtung. Sie begannen dann sofort mit den Ermittlungen und Zeugenbefragungen. Als sie den Sicherheitsmitarbeiter mit den Vorwürfen konfrontierten, wich er aus und argumentierte, dass er es nur gut gemeint habe und ihr helfen wollte.

Daraufhin verfügte die zuständige Einrichtung, dass dieser Mitarbeiter von nun an in anderen Unterkünften eingesetzt wird, sodass er nicht mehr in die Nähe der 16-jährigen kommen kann. Auch die 16-jährige, ihre 8 Jahre alte Schwester und ihre Mutter wurden in eine andere Unterkunft transferiert.

 

Fall 2

Etwas Ähnliches ereignete sich im nächsten Fallbeispiel. Hier geht es konkret um Geschwister, die zum Tatzeitpunkt 18 und 20 Jahre alt waren.

Sie wurden von zwei Sicherheitsmitarbeitern, einem Mitarbeiter aus der Küche sowie einem Sozialarbeiter, allesamt männlich, belästigt. Die Männer empfahlen ihnen unabhängig voneinander sich so schnell wie möglich um einen deutschen Pass zu kümmern, um nicht abgeschoben zu werden. Alternativ könnten sie sich auch einfach von einem deutschen Staatsbürger schwängern lassen, wodurch sie ebenfalls das Bleiberecht erhielten. In der Folge bedrängten die Männer sie immer mehr. Sie lockten sie – mit der Absicht mit ihnen intim zu werden – in diverse Hinterräume.

Zum Glück wurde ein anderer Sicherheitsmitarbeiter irgendwann skeptisch und folgte ihnen heimlich. Dabei gelang es ihm entsprechendes Beweismaterial auf Video festzuhalten. Anschließend meldete er dieses Fehlverhalten, woraufhin die entsprechenden Mitarbeiter in eine andere Unterkunft versetzt wurden.

Allerdings sah sich der Sicherheitsmitarbeiter, der das Ganze gemeldet hatte, nun Bedrohungen von Seiten seiner Kollegen im Sicherheitsdienst und anderem Personal der Einrichtungsleitung ausgesetzt. Das hatte zum Ziel, dass der Mitarbeiter das Videomaterial noch nachträglich löscht, sodass die Männern, die die zwei Frauen belästigten, nicht mit Strafverfolgung rechnen müssen. Wie dies letztendlich ausgegangen ist, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht.
Wir wissen jedoch: Solche und ähnliche Fälle ereignen sich viel zu oft und auf jeden Fall öfters als gemeinhin angenommen wird.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok